in process mit Hans Tammen und Thomas Gerwin

Hans Tammen (*1957) - Phyletic Gradualism (2009) UA
Ulli Götte (*1954) - Draw A Straight Line III (2001)
Ulli Götte - Frontières (2001)
Thomas Gerwin (*1955) - Area Contra Punctus 4 (2009) + Video UA
UA = Uraufführung
in process
Constanze Betzl - Flöte / Judith Gerdes - Oboe / Thomas Boll - Klarinette / Sören Gehrke - Violine / Bettina Weber - Violine / Regine Brunke - Violoncello / Jörg Müller-Fest - Vibraphon / Tilman Scheer - Marimbaphon / Peter Arens - Marimbaphon / Sabine Schmitz - Klavier / Michael Mantel - Klavier, Keyboard / Ulli Götte - Klavier, Keyboard, Leitung
Das im Jahr 1985 gegründete Ensemble gehört zu den wenigen auf minimalistische Musik spezialisierten Formationen in Europa. Eine rege Konzerttätigkeit -- über 300 Konzerte, Teilnahme an der KlangWelten-Tournee 1989 und Auftritte auf verschiedenen Festivals -- und die Kooperation mit anderen Künsten und Medien (Video, Tanz, Licht) sowie diverse Workshop-Projekte umfassen die Aktivitäten von in process.
Thomas Gerwin
Der Berliner Komponist und Klangkünstler kam sehr früh zur elektroakustischen Musik, seit 1990 arbeitet er intensiv in den Bereichen Soundscape Composition und radiophone Kunst. Er komponiert Werke für Konzert und Performance, inszeniert Hör-spiele und kreiert Klang- und Video-Installationen. Als Ausdrucksmittel seiner "situativen" raumkünstlerischen Arbeiten bezieht er immer wieder neue Medien mit ein: Tanz, Film, Licht und Skulptur. Er wurde mit verschiedenen internationalen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, seine Werke werden weltweit aufgeführt und ausgestellt.
Hans Tammen
Für den New Yorker Musiker ist jedes Konzert eine Raumbespielung. Sein Endangered Guitar-Konzept, für das er 2009 von der New York Foundation For The Arts im Bereich Digital/Electronic Arts ausgezeichnet wurde, ist in aller Welt aufgeführt worden. Seine Werke wurden bisher in den USA, Kanada, Deutschland, Russland, Bulgarien und Mexiko aufgeführt. Für seine Komposition Punctuated Equilibrium erhielt er 2008 die Jerome Commission des American Composers Forum.
Hans Tammen beruft sich bei seinem im Jahr 2009 für das Ensemble in process geschriebenen Werk Phyletic Gradualism auf den Einfluss von Earle Brown, bei dessen Werken Available Forms I/II das Material vom Dirigenten im Konzert immer wieder neu und unvorhersehbar arrangiert wird. Die Komposition besteht aus etwa 70 Patterns von unterschiedlicher Länge, die theoretisch von jeder Instrumentenkombination und in vielen unterschiedlichen musikalischen Situationen eingesetzt werden können -- wobei der Dirigent besondere Aufmerksamkeit auf Lautstärke, Klangfarbe und Dichte im Zusammenhang mit der Akustik des Aufführungsortes zu richten hat.
Grenzen heißt die erste Oper Ulli Göttes. In Frontières, dem Rahmenstück der Oper, wird die deutsch-deutsche Grenze thematisiert. Der Ton a symbolisiert die musikalische Grenze, dokumentarische Sprachzuspielungen vermitteln die historisch-politische Dimension.
Hinter dem Titel Draw A Straight Line III, einem Stück aus Grenzen, verbirgt sich eine Spielanweisung von La Monte Young: "draw a straight line and follow it", einem Text aus der Fluxus-Phase der 60er Jahre.
Das in process gewidmete Stück Area Contra Punctus 4 bezieht sich auf die 2008 zeitgleich in Sydney und Berlin gezeigte Video-/ Klang-Installation Area Contra Punctus 3 von Adam Geczy und Thomas Gerwin, die monochrome Flächen in schnellem rhythmischem Wechsel inszeniert. Gerwins neues konzertantes Werk entfaltet durch die besondere Anordnung -- sowohl der Musiker als auch der Videopräsentation -- einen durch Raum und Klang gestalteten Kontrapunkt zwischen Ensemble und dem neu produzierten Video. In der Partitur erscheinen neben den ausnotierten Passagen auch graphisch notierte Teile.