Rhythmus in den Künsten - Ordnendes Prinzip und freie Gestaltung der Zeit

Vortrag und Diskussion mit musikalischer Umrahmung
Referentin: Prof. Dr. Christa Brüstle (Berlin)
In Kooperation mit dem Kulturforum der Sozialdemokratie Kassel e.V.
Christa Brüstle studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Linguistik. Sie promovierte 1996 mit einer Arbeit über die Rezeptionsgeschichte Anton Bruckners. Seit 1999 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sonderforschungsbereichs "Kulturen des Performativen" an der Freien Universität Berlin mit Arbeitsschwerpunkten im Bereich Aufführungspraxis neuer Musik und experimentelles Musiktheater. Seit 2008 ist sie Gastprofessorin an der Universität der Künste Berlin. Habilitation über Konzert-Szenen: Bewegung -- Performance -- Medien. Musik zwischen performativer Expansion und medialer Integration 1950-2000.
In der konventionellen Auffassung von Rhythmus wird die Gleichmäßigkeit von Abläufen und die Verschaltung von Rhythmus, Gleichmäßigkeit und Gleichmaß betont. Hingewiesen wird auf den Herzschlag, auf das Atmen, auf das Gehen -- Urbilder von lebenswichtigen Bewegungen im Rhythmus. Doch wir reagieren auch auf gleichmäßige Impulse: vorgegebene Regelmäßigkeit in der Musik sorgt nicht selten dafür, dass der Kopf mitnickt und der Fuss mitwippt. Ist der Rhythmus also nur ein Ordnungsprinzip und ein Bewegungsschema, dem Körper und Geist unterliegen? Das kann aus verschiedenen Perspektiven angezweifelt werden. Das Schema wird bereits fraglich, wenn wir an die Sprache denken. Wir sprechen zwar rhythmisch, aber nicht mit abwechselnd gleichen Längen und Kürzen. Rhythmus ist demnach nicht nur an Regelmäßigkeit und Gleichmaß gebunden, sondern auch und im besonderen an die Gestaltung von Dauer, zu der unter anderem das Spiel mit minimalistischen Dauerwiederholungen gehört. Diese Auffassung von Rhythmus als organized fluency (Curt Sachs) wird im Vortrag unter Heranziehung von Beispielen aus verschiedenen künstlerischen Projekten diskutiert.