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Vorwort

 
Nahezu 50 Jahre ist es her, dass zwei Töne die musikalische Welt veränderten: der amerikanische Komponist La Monte Young wählte im Jahr 1960 die Töne h und fis mit der Spielanweisung: „to be held for a long time“. Ein in Nuancen sich stets verändernder Klang, der die Ideen der Wiederholung und Prozesshaftigkeit als ästhetische Grundkonzepte kultiviert und damit den musikalischen Minimalismus auf den Weg gebracht hat.

Während die skulpturale Minimal Art noch immer in der Kunstszene präsent ist, gibt es nach wie vor nur wenige Foren, die sich der aktuellen und historischen Minimal Music öffnen. Das 7. Kasseler Festival, das sich seit 2007 als ‚international‘ versteht, bleibt auch weiterhin das einzige als Reihe angelegte europäische Forum für diese Musik.

Im Zentrum des diesjährigen Festivals stehen Programmpunkte, welche das Moment der Neuorientierung betonen. So personifiziertder Schweizer Musiker Nik Bärtsch mit seinem artifiziellen und minimalistischen Jazz diese beiden Aspekte geradezu paradigmatisch. Entsprechendes gilt für die Projekte von Thomas Gerwin und Hans Tammen in Kooperation mit dem Ensemble in process, das gleich zwei Uraufführungen präsentiert.

Eine Klangfarbe, die bislang auf dem Festival nur wenig vertreten war, prägt das Abschlusskonzert, das zwei Gitarren-Ensembles aus Kassel und Hamburg zusammenführt, die zudem den Aspekt der außereuropäischen Musik vertreten: das Duo Tatjana Kukoč + Tilman Hübner sowie das Cassalla-Quartett. Die Musikwissenschaftlerin Christa Brüstle thematisiert ‚Rhythmus‘ als eine kunstübergreifende Kategorie, die den Minimalismus in besonderer Weise geprägt hat.

Ulli Götte
Künstlerischer Leiter